Montag, 13. Februar 2012 | Gesundheitswesen Magazin

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Lohnentgeltzahlung bei Krankheit auf 2-mal?

(12 posts)
  1. anonymous
    Inactive

    Hallo,
    meine Freundin schloß zum 01.07.08 einen neuen Arbeitsvertrag. Anfang August hatte sie einen Unfall und mußte 8 Tage zuhause bleiben. Die Krankmeldungen wurden umgehend nach Erhalt an den neuen Arbeitgeber weitergereicht. Als dann die Gehaltszahlung vom Arbeitgeber für den Monat August auf ihrem Konto einging, war die Verwunderung groß. Der Arbeitgeber bezahlte nur ca. 50-60% des eigentlichen Gehalts. Auf Nachfrage bei der Personalabteilung des Arbeitgebers wurde sie an die Krankenkasse (TKK) verwiesen. Diese wäre für die Restzahlung zuständig. Offenbar gibt es bei neu abgeschlossenen Arbeitsverträgen neue Regelungen, wonach die Entgeltzahlung (Krankengeld?) für die Zeit der bescheinigten Fehltage direkt von der KV vorgenommen wird. Ein Anruf bei der KV folgte. Angeblich wurde meiner Freundin von der KV ein Formular zugesandt, das sie ausgefüllt zurücksenden sollte, damit die Differenzzahlung seitens der KV überprüft werden könne. Leider ist bei ihr kein Formular angekommen. Nach einer langen Diskussion mit der KV, wird wohl nochmals dieses Formular zugesandt. Nach Prüfung des Vorgangs könne sie dann mit der Differenzzahlung von der KV rechnen. ...

    Was soll das?

    Grenzt das nicht an den Zustand des völligen Wahnsinns?

    Nicht nur der bürokratische Aufwand alleine scheint verheerend, sondern auch die Verzögerung der Bezahlung.

    Man stelle sich vor, daß es tatsächlich noch Menschen gibt die arbeiten um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Anders ausgedrückt, die außer ihrem Verdienst keine weiteren Einnahmequellen, oder Rücklagen haben. Zum Ersten eines jeden Monats werden allerhand Zahlungen fällig. Bei dem atuellen Fall gestaltet sich die Rechnung folgendermaßen:

    - Fixe Kosten Monatsanfang, wie Miete, Nebenkosten, Fahrgeld, etc., mtl. ca. EUR 750,--
    - Gehaltszahlung vom Arbeitgeber zum Monatsende, EUR 612,--
    - Differenzzahlung der KV- ??? unbekannt

    Was kann man selbst dazu beitragen, um in Zukunft bei derartigen Vorfällen diese Art von Zahlungsverzögerung zu vermeiden?

    Gruß

    Hans

    Posted 3 years ago #
  2. steffen
    Key Master

    Hallo Hans,

    ich verstehe deinen Fall. Er ist mal wieder typisch!

    Nach Prüfung des Vorgangs könne sie dann mit der Differenzzahlung von der KV rechnen. ...

    Was soll das?

    Manche Krankenkasse nehmen das mit der nicht bürokratischen Handelsweise nicht ganz so ernst :cry:

    Es ist schön, dass du so Fälle hier schilderst. Damit gewährst du anderen Menschen einen direkten Einblick wie es in der Krankenkasse abläuft.

    Ich kenne solche Fälle maßenweise, nur die meisten trauen/wollen nicht darüber reden. Wenn es hier in dem Forum jeder lesen kann, dann erhält er auch einen Einblick wie gut der Service der Krankenkasse ist.

    Aber ich will dich jetzt hier nicht so stehen lassen. Vielleicht helfen dir die Tipps.

    Nach einer langen Diskussion mit der KV, wird wohl nochmals dieses Formular zugesandt.

    Das nächste mal stellst du die Frage: "Haben sie es per Einschreiben geschickt?" -> Denn das ist auch eine typisch bürokratische Handlung von vielen Krankenkassen. Fälle wo das sehr oft vorkommt sind zum Beispiele Kündigungen, Krankengeld. Man muss als Versicherter nur entsprechend genauso Verfahren. Natürlich sagen die dann Nein - Dann würde ich an dem Punkt schon sagen: "Ok, Diskussion beendet. Dann machen sie das aber mal ganz schnell!" - Klingt jetzt ziemlich arrogant - aber so bin ich nur, wenn der gegenüber auch auf sturr schaltet 8)

    Was kann man selbst dazu beitragen, um in Zukunft bei derartigen Vorfällen diese Art von Zahlungsverzögerung zu vermeiden?

    Da ist es schwer dir einen Tipp zu geben. Das beste ist, wenn du direkt mit den Anträgen hingehst und sagst: "Nein, das machen wir jetzt zusammen" -> Was aber auch nicht bei allen Krankenkassen funktioniert :cry: - aber das wäre für mich schon fast ein Grund die Kasse zu wechseln. Bei 10€ Praxisgebühr zwar nicht gerade, aber bei einem Betrag in deiner Höhe schon.

    Teilweise hilft es auch, wenn du einfach einen Vorgesetzen verlangst. Ich will jetzt nicht die Techniker Krankenkasse in Schutz nehmen, aber in jeder Firma gibt es nunmal "besser" und "schlechtere" Mitarbeiter. Die meisten "personalverantwortlichen" Mitarbeiter bekommen es auch nicht mit, wie mit den Kunden umgesprungen wird. Eigentlich sollte so etwas die Techniker Krankenkasse von alleine erkennen, aber naja..

    Vielleicht liest mal wieder einer von der Techniker mit.

    Ich hoffe du hast mittlerweile dein Geld bekommen?

    Posted 3 years ago #
  3. anonymous
    Inactive

    Hallo Steffen,
    vielen Dank für Deine Antwort.


    m

    Wenn nicht hier, wo dann? ;-)
    Obwohl der Fall meine Freundin betrifft, finde ich es wirklich an der Zeit, derartige "Mißstände" aus der Sicht des Betroffenen öffentlich zu machen. Ihr selbst bleibt dafür leider kaum Zeit. Und so geht es sicherlich vielen anderen Berufstätigen auch.

    Das besagte Formular ist tatsächlich gestern angekommen. Nun muß dieses aber noch vom Unfallarzt bearbeitet werden ... . D.h. ich habe es heute früh dort eingeworfen. Dann muß das Papier zurück nach München geschickt werden, wo es dann, so Gott will, bearbeitet wird. Ohne die gesetzlichen Neuregelungen, oder Verfahrensweisen näher zu kennen, stelle man sich alleine diesen Weg von Anfang bis Ende vor. Für den Versicherten ist das, nur rein zeitlich gesehen, völlig unzumutbar. Zuerst wird der Arbeitnehmer darüber nicht informiert. Dann, anhand seiner Gehaltszahlung weiß er, dass ETWAS(?) nicht stimmt. An seinem einzigen freien Tag telefoniert er mehr als einen halben Tag mit dem Personalbüro des Arbeitgebers und der KV. Dann kommt tatsächlich das besagte Papier, das jetzt noch vom Arzt bearbeitet werden muß.

    Dieses bedeutet:
    - Montag 29.09. -> freier Tag -> Teilbetrag des Arbeitgebers wird auf dem Konto gutgeschrieben -> Telefonorgie
    - Dienstag 30.09. (Arbeitstag- 6:30h Aufbruch zur Arbeit, Rückkehr von Arbeit 19:30h) -> Formular ausfüllen
    - Mittwoch 01.10. (Arbeitstag, s.o.) -> Arzt soll Formular bearbeiten und man soll es dann an die KV zurücksenden (ohne die Hilfe Dritter überhaupt nicht möglich, außer man erledigt es auf dem Postweg, damit wäre die Woche dann vorbei).

    Wenn dann nicht noch das kleine Problemchen mit der Differenzzahlung des Gehalts wäre ... . In anderen Worten, das Geld fehlt. Die Versicherte muß sich irgendwo so ganz beiläufig auch noch Geld ausleihen, damit sie ihre mtl. Fahrkarte kaufen kann. Von anderen Aufwendungen ganz zu schweigen.
    Selbst wenn sie das Bankkonto überziehen könnte, betrachte ich das Ganze an sich als gänzlich unzumutbar!


    m

    Das scheiterte schon während des telefonischen Versuchs. Die örtliche Niederlassung verwies strikt an die Niederlassung in München. Die Bearbeitung, sowie alle Zahlungen werden dort bearbeitet ..., so die örtliche Techniker Filiale.

    Wie uns bekannt wurde, arbeiten andere KV's auch nach der beschriebenen Verfahrensweise. Eine Arbeitskollegin berichtete dasselbe von ihrer KV.

    Man könnte meinen, die Mitarbeiter der KV's haben lange Weile und man hat für sie eine neue Beschäftigungstherapie entwickelt.

    Mal im Ernst, lt. Basisinformationen der TK, hat diese zum Ende 2008 ca. 4,3 Millionen zahlende Mitglieder. Insgesamt sind bei der TK 6,3 Millionen Menschen versichert. Nimmt man nur die zahlenden Mitglieder und den durchschnittlichen jährlichen Krankenstand dieser Gruppe und multipliziert ihn mit dem aus der beschriebenen Verfahrensweise resultierenden Aufwand, kommt sicherlich alleine für die KV ein stattliches Sümmchen raus. Ganz zu schweigen von "besonderen" Geschäftsvorfällen in dem o.g. Zusammenhang. Wenn man dann noch den Aufwand der tatsächlich betroffenen Versicherten hinzurechnet, ist die Umsetzung der "neuen Regelungen" eine 100%ige Nullnummer, die jeden Beteiligten nur Geld und Zeit kostet. Ich lasse mich in dieser Sache gerne belehren, aber ich verfolge derzeitig kopfschüttelnd bereits 2 derartige Fälle.

    Ich weiß zwar nicht warum man diese Regelungen getroffen hat, das spielt IMHO bei einer derartigen Umsetzung auch keine Rolle mehr! Man könnte ernsthaft glauben, dass die Vergangenheit keine sonderlichen Erfahrungen für manche Entscheidungsträger gebracht hat.

    Hier Abhilfe zu schaffen, dürfte wohl für eine Organisation wirklich kein Problem darstellen. Und das Argument, bei großen Organisationen ist das nicht so einfach ..., betrachte ich heutzutage in diesem Zusammenhang als lächerlich. Über die praktikable Umsetung einer neuen Regelung sollte man sich eben vorher Gedanken machen. Im Übrigen hat es vor der Neuregelung doch auch jahrelang ohne diese wahnwitzigen Szenarien für die Versicherten funktioniert.

    Und das Argument "Ausnahmesituation", für die 2 mir bekannten Fälle, bedeutet IMHO für das angewandte Verfahren -> Fehler im Controlling, oder sonstwo- letztlich für den Versicherten egal.

    Schon der Ansatz dieser Verfahrensweise kann IMHO nicht richtig sein. Bei der Abhandlung gibt es viel zu viele unvorhersehbare Situationen, lange Wege und dadurch nicht kalkulierbare Vorfälle, die dann nur noch manuell mit extra besonderem Aufwand wieder aus der Welt geschafft werden können.

    ...


    m

    Das erübrigt sich wohl im Moment.

    Wenn das Drama beendet ist, werde ich hier über den exakten Verlauf dieser Aktion berichten.

    Sorry für den langen post, aber langsam sollten heutzutage gewisse Dinge mal auf den Tisch.

    Viele Grüße

    Hans

    Posted 3 years ago #
  4. steffen
    Key Master

    Hallo Hans,

    danke für die ausführlich Schilderung erstmal - und umso länger umso besser ;) Dann sind es wenigstens ausführliche Informationen.

    Du hattest es ausversehen 2 mal reingestellt - hab das eine gelöscht.

    So und jetzt zu deinem Beitrag.

    Wenn nicht hier, wo dann?

    Du hast mit deinem Fall genau das Ziel des KvPortals getroffen. Es soll genau für solche Fälle dasein. Ich hasse nichts mehr wie Pauschalmeinungen über Krankenkassen. Durch die anonymität hier, können Versicherte ihre Fälle schildern und jeder kann einen Einblick erhalten. Zusätzlich hat die Krankenkasse auch die Chance Stellung zu beziehen.

    Das scheiterte schon während des telefonischen Versuchs. Die örtliche Niederlassung verwies strikt an die Niederlassung in München. Die Bearbeitung, sowie alle Zahlungen werden dort bearbeitet ..., so die örtliche Techniker Filiale.

    Wie uns bekannt wurde, arbeiten andere KV's auch nach der beschriebenen Verfahrensweise. Eine Arbeitskollegin berichtete dasselbe von ihrer KV.

    Das kommt immer auf die Krankenkasse an. Hier haben zum Beispiel kleine BKKs die nur Kunden vor Ort betreuen den Vorteil, dass es keine langen Entscheidungswese gibt.

    Ich kenne deine Schilderung von vielen "großen" Kassen. Wegen den Kosten werden viele kleineren Geschäftsstellen abgebaut und Leistungen nurnoch zentral abgewickelt.

    Aber dein Fall schildert sehr schön, dass Kosten sparen auf dem Rücken des Kundenservice abgewickelt wird.

    Es sollte nicht sein, dass du länger als 3 Tage auf die Auszahlung des Geldes wartest. D.h. Ich gebe den Antrag heute in der Geschäftsstelle ab, dann hab ich spätestens in 3 Tagen meine Antwort wie hoch die Erstattung ist. Diese sollte am 3. Tag auch überwiesen werden.

    Denn viele Krankenkassen vergessen, dass sehr viele Menschen nicht die Möglichkeit haben 2-3 Wochen auf das Geld zu warten. Das darf auch nicht sein.

    Ich freue mich jetzt schon auf die Schilderung des endgültigen Falles.

    Ich würde mich freuen, wenn auch die 2. Person die du kennst hier den Fall schildert.

    Nur wenn wir das Gesundheitssystem "offen legen" können auch Menschen richtige Entscheidungen treffen.

    Liebe Grüße und ich hoffe im rest von Deutschland scheint die Sonne :(

    Posted 3 years ago #

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