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Behandlungsfehler – Patienten beschweren sich

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Berlin – In jedem Beruf werden Fehler gemacht, das bringt das Menschsein einfach mit sich. Problematisch nur dann, wenn Fehler andere Menschen gefährden können. Dies ist so gut wie immer bei Ärztefehlern der Fall. Der Präsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, Andreas Crusius, sagt angesichts des jüngsten Falles, in dem eine Ärztin bei einer Patientin zu spät den Darmkrebs erkannte: “Der typische Vorwurf von Patienten gegen ihren Hausarzt lautet, dass er sich zu lange selbst an der Behandlung versucht und zu spät an einen Facharzt überwiesen hat”.
Crusius ist Leiter des Gremiums der Ärzteschaft, die Behandlungsfehler untersucht. Nun wurden die Daten für 2009 vorgelegt. Demnach gab es im letzten Jahr von rund 11.000 Patienten Beschwerden über ihre Behandlung. In 7.400 Fällen wurde von der aufgerufenen Schiedsstelle eine Entscheidung getroffen, die allerdings nur zu einem Viertel zugunsten der Patienten war. In 1.771 Fällen wurde durch entsprechende Gutachten nachgewiesen, dass Patienten einen Schaden durch eine fehlerhafte Behandlung erlitten hatten. Diesen Patienten steht nun eine finanzielle Entschädigung zu. 91 Patienten kamen durch Behandlungsfehler zu Tode. Dies ist jedoch gemessen an 400 Millionen Behandlungen jährlich, ein sehr geringer Anteil.
Auf Vollständigkeit erhebt die Veröffentlichung keinen Anspruch. Der Direktor des Instituts für Patientensicherheit, Matthias Schrappe, sagt: “Die Statistik der Ärztekammer zeigt nur einen Ausschnitt. Der größte Teil der Behandlungsfehler wird gar nicht aufgearbeitet.” Die meisten Patienten vertrauen ihrem Arzt auch nach einem Behandlungsfehler, viele suchen gar keine Schiedsstelle auf.
Am häufigsten gibt es Behandlungsfehler bei Operationen und Krankheitsdiagnosen. Insbesondere Knie- und Hüftoperationen weisen eine hohe Anzahl an Behandlungsfehlern auf. In Krankenhäusern ist die Fehlerquote allgemein bei Operationen sehr hoch, während in Praxen häufig Falschdiagnosen gestellt werden. Auch Medikamente werden oft falsch verschrieben.
Krankenkassen registrieren Behandlungsfehler ebenfalls, haben jedoch keine zentrale Stelle dafür. So ergeben die Zahlen des AOK Bundesverbands für 2008, dass sich rund 10.000 von 24 Millionen Versicherten über ihre Behandlung beschwert haben. Bei der TK waren es etwa 3.700 Fälle für 2009.
Walter Schaffartzik, Leiter des Unfallkrankenhauses Berlin, sagt: “Die Ärzte sprechen jetzt mit ihren Patienten über Fehler.” Das zumindest hat sich in den letzten Jahren verbessert. Wolfgang Zöller, CSU, möchte, dass Ärzte ihre Fehler an zentraler Stelle selbst melden. “Je mehr gemeldet wird, desto eher können Schwachstellen erkannt werden”, sagt er und verweist auf zahlreiche Medikamente mit ähnlich klingendem Namen, die verwechselt werden. Auch Patienten sollen Fehler melden. Sie dürfen anonym bleiben. Zöller bereitet gerade ein entsprechendes Patientenrechtegesetz vor.
Schrappe wiederum fordert, dass Krankenhäuser Todesfälle veröffentlichen, die bei einer Routineoperation aufgetreten sind. “Die Krankenhäuser müssen mehr Indikatoren veröffentlichen”.