Krankenhaus
Britische Forscher besorgt ĂĽber Superbazillus
Ein neuer Superbazillus, der gegen alle Antibiotika resistent ist, gibt Wissenschaftlern in Großbritannien Anlass zur Sorge. Der Bazillus soll von Patienten, die im Ausland, insbesondere Indien und Pakistan, Schönheitsoperationen oder Organtransplantationen erhalten haben, ins Land gebracht sein. Die britischen Ärzte sind alarmiert.
Bis jetzt sind 22 Fälle in 17 Krankenhäusern bekannt. Die Health Protection Agency (HPA) ließ verlauten, es bestehe Anlass zur Sorge. Patienten wiesen ein Enzym auf, das Antibiotika in ihrem Blutkreislauf zerstört. Das Enzym namens New Delhi Metallo-1 ist bisher bei Erregern nachgewiesen worden, die Harn- und Atemwegserkrankungen hervorrufen. Besonders besorgniserregend ist, dass das Enzym von einem Bakterienstrang auf andere überspringen und so gefährlichere Infektionen und Blutvergiftungen hervorrufen kann, die sich dann aufgrund der Resistenz nicht mehr behandeln lassen.
Das NDM-1-Enzym zerstört die Carbapeneme, eine Gruppe von Antiobiotika, die in Großbritannien überwiegend für die Behandlung besonders schwerer Infektionen verwendet wird, und deren Einsatz nur in Notfällen erfolgt, weil die Carbapeneme bisher eine der wenigen Antibiotikagruppen waren, die auch gegen Bakterienstämme Wirkung gezeigt hatten, die gegen die normalerweise benutzten Antibiotika bereits resistent waren.
Die HPA untersucht nun, ob alte, nicht mehr genutzte Antibiotika, neu entwickelte und solche, die in anderen Ländern verwendet werden, gegen Bakterien, die NDM-1 produzieren, eingesetzt werden können. Es wurden bereits zwei gefunden, die zumindest eine begrenzte Wirkung zeigten.
Dr. David Livermore, der Direktor des “Centre for Infection’s Antibiotics Resistance and Monitoring Reference Laboratory” der HPA zeigte sich sehr besorgt und verglich die gegenwärtige Situation mit dem Aufkommen eines resistenten MRSA-Strangs in den 90er Jahren. Er riet allen Krankenhausmitarbeitern, Patienten und Besuchern, durch häufiges und grĂĽndliches Händewaschen einer Ausbreitung von Infektionen vorzubeugen.
Briten, die sich im Ausland einer Operation unterzogen haben, sollten sicherstellten, dass ihr Arzt in Großbritannien davon erfährt.
In Indien und Pakistan sind Antibiotika meist nicht verschreibungspflichtig, was dazu führte, dass sich in diesen Ländern besonders resistente Bakterienstränge bilden konnten. Der steigende Medizin-Tourismus zwischen Großbritannin und Asien begünstige die Ausbreitung dieser Bakterien, so Livermore. Ähnlich resistente Stränge seien jedoch auch schon aus Griechenland und Israel ins Land gebracht worden.
Zehn der derzeit Erkrankten gaben jedoch an, keine medizinische Behandlung auĂźerhalb GroĂźbritanniens erhalten zu haben.