Montag, 13. Februar 2012 | Gesundheitswesen Magazin

Studie

7.09.2009 | 10:30 Uhr

Darmkrebsvorsorgeuntersuchung mit Kamera in Kapsel

Die traditionelle Darmkrebsvorsorgeuntersuchung mit Hilfe der Endoskopie ist für die meisten Menschen eine abschreckende Methode und wird demnach trotz kostenlosen Angebotes der Krankenkassen selten genutzt. Jedoch ist Darmkrebs nur dann heilbar, wenn er frühzeitig erkannt wird. Bei der Koloskopie, der Darmspiegelung, wird ein optisches Gerät anal eingeführt, die Untersuchung dauert etwa 15 Minuten und wird in den meisten Fällen und auf Wunsch unter Narkose durchgeführt.

Eine neue Form jedoch soll die Vorsorgeuntersuchung nicht nur revolutionieren, sondern sie auch für die Patienten entscheidend erleichtern. Zu Grunde wird eine dreitätige Ernährungsumstellung gelegt. Im Anschluss an dieser Phase nimmt der Patient eine Kamera in Form einer Kapsel ein, diese dann den Magen- und Darmtrakt über die natürliche Verdauung passiert.

Während der Passierdauer macht die Kamera immer wieder Bilder ihrer Umgebung. Der Patient trägt während dieser Zeit ein Aufnahmegerät an der Hüfte, welches die Daten sammelt. Ist die Kamera ausgeschieden, kann der Arzt die gespeicherten Bilder des Aufnahmegerätes auswerten. Stellt er nun eine Unauffälligkeit fest, so ist eine zweite Untersuchung mit Hilfe der traditionellen Koloskopie notwendig. In den wenigstens Fällen wird diese zweite Untersuchung jedoch zum Einsatz kommen müssen.

Dieses Argument spricht nach Aussagen von Prof. Dr. Jürgen Riemann für die neue Methode der Vorsorge: Die Patienten müssen sich nicht, wie bisher, der gefürchteten Koloskopie unterziehen, es sei denn, bei den Aufnahmen wurden Auffälligkeiten entdeckt.

Der Vorteil der bisherigen Anwendung gegenüber der neuen Methode liegt allein darin, dass der Arzt direkt nach Entdeckung einer Auffälligkeit nachfassen und die Therapiemaßnahmen unmittelbar veranlassen kann. Das Problem bleibt jedoch die geringe Resonanz auf das kostenlose Angebot der Krankenkassen. Dahingegen zeigt die Halbzeit des Pilotprojektes der High-Tech Diagnostik, dass eine höhere Bereitschaft der Patienten besteht, das neue Untersuchungsverfahren anzunehmen.

Es konnten deutlich mehr Termine für die Darmkrebsvorsorge vereinbart werden, das ergab die Auswertung der bisherigen Versuchsreihe. Den finanziellen Nutzen im Vergleich zu den noch enormen Ausgaben für Fertigung und Verabreichung der Sonden wird die Uniklinik Hamburg Eppendorf erst nach einer weiteren Studie ermitteln – derzeit heißt es jedoch: ein erkannter Fall von Darmkrebs spare der Solidargemeinschaft bis zu 250.000 Euro – und mit der neuen Methode sei die Vorsorgebereitschaft der Patienten wesentlich höher.

Redaktion Gesundheitswesen Magazin

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