Studie
Das Schmerzempfinden rothaariger Menschen
Niemand geht gern zum Zahnarzt, aber einige hätten guten Grund dazu, unter anderem Menschen mit roten Haaren.
Immer mehr Studien zeigen, dass rothaarige Menschen größere Mengen an Anästhetika benötigen und größere Resistenz gegenüber örtlichen Betäubungsmitteln aufweisen. Daraus resultiert, dass sie einem Zahnarztbesuch nervöser entgegen blicken und zweimal so oft den Gang dorthin scheuen, wie Menschen mit anderen Haarfarben.
Forscher vermuten, dass die größere Schmerzintensität an einer Mutation eines Gens liegt, dass auch für die roten Haare sorgt.
Menschen mit schwarzen, braunen und blonden Haaren besitzen ein Gen für den Melanocortinrezeptor 1, welches Melanin produziert, dass unter anderem für die Haarfarbe zuständig ist. Eine Mutation dieses Rezeptors führte zur Bildung einer Substanz namens Phäomelanin, die für die roten Haare und helle Haut verantwortlich ist.
Das MC1R-Gen gehört zu einer Reihe von Rezeptoren, die auch Schmerzrezeptoren im Gehirn beinhalten. Da das Gen mutiert ist, wirkt sich dies auch auf die Schmerzempfindlichkeit bei Rothaarigen aus und sie benötigen ungefähr 20% mehr an Anästhetika als andere.
Auch bei Brünetten ist diese Mutation zu finden, aber weniger ausgeprägt als bei Rothaarigen. 65 von 67 rothaarigen Menschen tragen diese Variante in sich, aber nur 20 von 77 Menschen mit braunen oder schwarzen Haaren. Testpersonen mit dem mutierten Gen hatten größere Ängste vor Zahnarztbesuchen und damit verbundenen Zahnschmerzen als normale Testkandidaten.
Die Idee für Studien zum Schmerzempfinden von Rothaarigen kam dem Anästhesisten Dr. Daniel I. Sessler, nachdem von zahlreichen Kollegen Spekulationen dazu aufkamen. Diese meinten, dass es schwieriger sei, rothaarige Patienten zu narkotisieren als andere Patienten. Zudem hatte er von vielen Rothaarigen gehört, die größere Zahnschmerzen als üblich hatten.
Dr. Sessler rät daher rothaarigen Mitmenschen, die meist schon schlechte Erfahrungen hinter sich haben, mit ihrem behandelnden Arzt über ihre andersartige Wirkung in Bezug auf Anästhetika zu sprechen.