Ursula von der Leyen
Horst Köhler – Rücktritt: Heute Vorentscheidung über den Nachfolger?

Horst Köhler
Als klare Favoritin gilt bislang Ursula von der Leyen (Arbeitsministerin). Doch nicht alle sind so ganz mit ihr einverstanden. Derzeit wird jeder Auftritt von ihr besonders unter die Lupe genommen. Selbst ganz normale Routinetermine mit der Kanzlerin sorgen augenblicklich für eine brodelnde Gerüchteküche. Einer der Gründe dafür ist sicher die Aussage der Kanzlerin und einiger anderer Politiker, dass Frau von der Leyen sehr gut als Bundespräsidentin geeignet wäre. Auch die Liberalen und die Union gaben Signale der Zustimmung. Doch kann das gehen? Gleich zwei Frauen an der bislang von Männern dominierten deutschen Spitze? Ministerpräsident Wulff wurde so ganz schnell ebenfalls als Kandidat nominiert.
Ursula von der Leyen wird derweil misstrauisch von den bayrischen Unionsleuten beäugt. Die Bayern finden sie etwas zu modern und fragen sich, wie die siebenfache Mutter Beruf und Privatleben vereinbaren kann, zumal sie zuhause noch ihren demenzkranken Vater pflegt. Zwar stehen ihr dafür Fachkräfte zur Seite, aber dennoch ist die Doppelbelastung nicht zu leugnen, wenn man sie von der Leyen auch nie ansieht. Ein weiterer Minuspunkt ist die gelebte Gleichberechtigung. Im Hause von der Leyen ist der Mann für Haushalt und Kinder zuständig, während die Frau Karriere macht. Da haben die erzkonservativen Bayern mit ihrem Modell des männlichen Alleinverdieners ein Problem mit.
Hat Frau Merkel von der Leyen auch schon klar als Favoritin genannt, bleiben die Beweggründe im Dunkeln. Ist damit eine Konkurrentin ausgeschaltet oder schätzt sie einfach ihre Loyalität, ihr fachliches Wissen und ihre Beliebtheit. Dank von der Leyen ist die CDU wieder wählbar geworden. Das Elterngeld und die Vätermonate sind von ihr durchgesetzt worden. Frau von der Leyen ist absoluter Medienprofi. Das hat ihr jedoch auch zum Nachteil gereicht. So machen Internetnutzer in den sozialen Netzwerken mit dem Motto “Not my president” gegen sie mobil, da sie ihr die Einrichtung eines Zensursystems vorwerfen. Hintergrund ihr von der Leyens Vorstoß, kinderpornographische Seiten sperren zu wollen.
Dennoch ist sie äußerst beliebt und überholte in aktuellen Umfragen sogar die Kanzlerin selbst. Bislang hat es da auch nichts geschadet, dass Mitarbeiter ihr vorwerfen, Wutanfälle zu bekommen, wenn einer zu langsam kapiert, was sie von ihm will. Die Pendelei zu ihrer Familie könnte sie mit dem neuen Posten nicht mehr so einfach umsetzen. Als Bundespräsidentin muss sie präsent sein, und zwar in Berlin, nicht in Hannover.
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