Sonntag, 12. Februar 2012 | Gesundheitswesen Magazin

Leistung

22.09.2008 | 15:21 Uhr

Kulanz bei einer Krankenversicherung? Gibts das überhaupt?

Habt ihr das Wort “Kulanz” schonmal gehört? Ja? Ich auch ;) Aber von einer Krankenkasse bis jetzt nur hinter vorgehaltener Hand und noch ganz ganz leise damit es bloß keiner hört und auf die Idee kommt das zu fordern.

Service der BKK Ford & Rheinland wirklich kulant?

Anders ist das bei der BKK Ford & Rheinland. Da habe ich eben auf der Webseite unter dem Punkt Service -> Kulanz folgendes gefunden:

Kulanz ist bei uns selbstverständlich. Alle Entscheidungen werden im Service-Center vor Ort kundennah, qualifiziert, schnell und unbürokratisch getroffen. Dabei nutzen wir jeden vorhandenen Spielraum grundsätzlich in Ihrem Sinne aus. link

Da steht der Service am Kunden im Vordergrund – oder doch nicht?

“Kulanz” Service der BKK Forder & Rheinland wirft für mich folgende Fragen auf :dance10:

  1. Wie ist das bei den Mitgliedern die auf diese “kundennahen Entscheidungen” pochen? z.B. die sofortige Bewilligung einer Kur ohne den nervigen medizinischen Dienst?
  2. Das Wort “unbürokratisch” wirft für mich sehr viele Fragen auf – wann fängt Bürokratie an? Aus meiner Sicht ist das ausfüllen eines Antrags schon bürokratisch! ;) Welche Sichtweise ist hier gemeint?
  3. Der “Spielraum” bei der Bewilligung von Leistung ist ja oft ziemlich groß – wird der ”vorhandene Spielraum” immer voll ausgenutzt?
  4. Hat jemand von euch Erfahrungen mit der Kulanz der BKK Ford & Rheinland?
Redaktion Gesundheitswesen Magazin

Kommentare

2 Kommentare zu “Kulanz bei einer Krankenversicherung? Gibts das überhaupt?”
  1. RevengeofPKV sagt:

    1. Erfahrungsgemäß erreicht derjenige Versicherte mehr und schneller eine Entscheidung, der auf seine Rechte pocht und die Kasse am meisten “nervt”. Schade, dass dies oftmals so ist, weil es so natürlich nicht sein sollte, aber das ist nunmal die Realität im Krankenkassengeschäft.

    2. Auch ein für die Antragsbearbeitung unumgängliches Formular kann umständlich, schwer verständlich geschrieben und nur schwer ausfüllbar gestaltet werden. Unbürokratisch heißt hier für mich auch, dass so etwas kundenfreundlich ausgestaltet wird. Beispiel: Nicht jeder Mensch trägt einen Namen, der in eine lediglich drei Zentimeter breite Spalte passt! Ansonsten ist “unbürokratisch” ein sehr weit gefasster Begriff und kann alles oder auch nichts bedeuten.

    3. Bei der Leistungsgewährung ist in der gesetzlichen Krankenversicherung meist gerade kein echter Spielraum vorhanden. Lediglich freiwillige Leistungen (Ermessensleistungen, Satzungsleistungen) bieten im eng begrenzten Ausnahmefall Raum für unterschiedliche Leistungsgewährung. Meines Erachtens ist mit der Aussage der BKK Ford & Rheinland eher das “wie” der Entscheidung über Leistungsanträge gemeint. Da gibt es schon Unterschiede, beispielsweise darin, ob regelhaft immer der Medizinische Dienst der Krankenversicherung eingeschaltet, oder ob darauf für eine “Standardleistung” auch mal verzichtet wird.

    4. Nein, mit dieser Kasse habe ich keine Erfahrungen.

    Es gibt bei manchen Kassen auch die Tendenz, einem Versicherten, der mit Kassenwechsel droht, auch mal eine Leistung zu gewähren, auf die er eigentlich gar keinen Anspruch hat. Das ist aber dann keine “Kulanz”, sondern rechtswidrige Leistungsgewährung. Ob so etwas im Interesse der anderen Mitglieder einer Krankenkasse ist, die ja davon ausgehen, dass ihre Beitragsgelder nur für die rechtmäßige Leistungsgewährung eingesetzt werden, wage ich zu bezweifeln.

    Generell sollte eine Krankenkasse nicht mit Begriffen operieren, die es so nur in der Privatversicherungswirtschaft gibt. Eine Kulanzleistung ist dort möglich, wenn sich die wirtschaftlich betrachtet für das Krankenversicherungsunternehmen rechnet.

  2. steffen sagt:

    Zitat RevengeofPKV :

    1. Erfahrungsgemäß erreicht derjenige Versicherte mehr und schneller eine Entscheidung, der auf seine Rechte pocht und die Kasse am meisten “nervt”.

    Da muss ich dir 100%ig zustimmen. Es ist wirklich schade, aber es ist so.

    Auch ein für die Antragsbearbeitung unumgängliches Formular kann umständlich, schwer verständlich geschrieben und nur schwer ausfüllbar gestaltet werden.

    Da fällt mir immer der Fami-Fragebogen ein.

    Das schlimmste was ich mal dabei gelesen hab war: Feststellung der Verhältnisse zur weiteren Familienversicherung. Gibt es wirklich keinen besseren Namen für sowas?

    Ist es so unmöglich sich mit 3-4 Menschen zusammenzusetzen und ein Brainstorming zu machen mit dem Auftrag: Wie nennen ich das Ding jetzt kundenfreundlich? -> Gerade bei sehr großen Krankenkassen würde ich so etwas erwarten.

    :idea: Interessant wäre an dieser Stelle mal eine Analyse der Namen für den Fami-Fragebogen und wie die unterschiedlichen Kassen den nennen

    Lediglich freiwillige Leistungen (Ermessensleistungen, Satzungsleistungen) bieten im eng begrenzten Ausnahmefall Raum für unterschiedliche Leistungsgewährung.

    Zitat Steffen:Der “Spielraum” bei der Bewilligung von Leistung ist ja oft ziemlich groß

    Ich hatte mich echt mal wieder blöd ausgedrückt. :eek4: Ich bin hier nicht von der Leistung an sich ausgegangen, sondern anhand des Bewilligungsprozesses. Das hast du dann auch richtig dargestellt. Danke.

    Trotzdem können auch diese kleinen Ermessensleistungen für den einen oder anderen einen großen Stellenwert haben. Beispielsweise erstatten ja manche Krankenkassen Fitnessstudios (bzw. lokal mit bestimmten Fitnessstudios).

    Für mich persönlich ist eine Krankenkasse dann kulant, wenn sie diese Ermessensleistungen voll ausnutzt. Teilweise sind diese Fitnessstudioerstattungen von Krankenkassen ca. 200€ und mehr. Also kein kleiner Betrag.

    Es gibt bei manchen Kassen auch die Tendenz, einem Versicherten, der mit Kassenwechsel droht, auch mal eine Leistung zu gewähren, auf die er eigentlich gar keinen Anspruch hat. Das ist aber dann keine “Kulanz”, sondern rechtswidrige Leistungsgewährung.

    Das wäre dann (um das Beispiel fortzusetzen), wenn ich Kündige und als Grund das Fitnessstudio angebe und die Krankenkasse dann auf mich erst zukommt. Nein, das ordne ich auch nicht unter kulant.

    In so einem Fall sollte dann auch für jeden solch eine Krankenkasse gestorben sein! Denn das machen diese Krankenkassen nur, solange ihr mehr an Geld bringt, als ihr kostet!

    Generell sollte eine Krankenkasse nicht mit Begriffen operieren, die es so nur in der Privatversicherungswirtschaft gibt. Eine Kulanzleistung ist dort möglich, wenn sich die wirtschaftlich betrachtet für das Krankenversicherungsunternehmen rechnet.

    Das finde ich auch. Mich hat es auch erst an eine PKV erinnert. ich glaube, dass das von der BKK Ford & Rheinland ein gut gemeintes Beispiel an Service war, nur ich würde es persönlich umschreiben und lieber etwas darüber schreiben, dass dort “Bürokratieabbau groß geschrieben wird” oder “Kundenfreundlichkeit bei der Bewilligung von Leistungen wichtig ist” oder so etwas – aber mit dem Wörtchen Kulanz kann man schnell mal festgenagelt werden.

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