Montag, 13. Februar 2012 | Gesundheitswesen Magazin

Mehrbelastung

5.09.2008 | 1:28 Uhr

Müssen die BKK Versicherten wirklich mit dem Einheitsbeitrag so tief in die Tasche greifen?

Ich habe heute eine Pressemitteilung des BKK Bundesverbandes gesehen. In der Meldung geht es um die steigenden Kosten des zukünftigen Einheitsbeitrags. 

In der Pressemitteilung geht es um eine Mehrbelastung der Versicherten zwischen 700 Millionen (bei 15,5 Prozent) – 1,3 Milliarden (bei 16 Prozent) Euro. Mehrbelastung im Vergleich zu… !?

Von welcher Rechengrundlage aus? Vom rel. durchschnitt der Beiträge? Von der billigsten Krankenkasse ausgesehen? Von dem durchschnitt der betrieblichen Krankenkassen?

Steh ich gerade auf dem Schlauch!? :dunno:

Außerdem Mehrbelastung sind aus meiner Beurteilung heraus, sicher anfallende Kosten. Im weiteren kommt dann aber die Erläuterung mit der Beitragsrückerstattung.

Ich bin zwar auch nicht der Fan des Einheitsbeitrags, aber die Grundlage die der BKK Bundesverband ansetzt, ist für mich nicht derart wichtig um den Einheitsbeitrag zu verschieben.

Gründe wie die Planungssicherheit die es erst im Dezember gibt und die dann zu treffenden Entscheidungen über Beitragsrückerstattung, Leistungserhöhungen oder Prämien.

Die Pressemeldung findet ihr hier.

Was denkt ihr?

  1. Versteht ihr die Rechnung mit der Mehrbelastung?
  2. Findet ihr die Gründe die der BKK Bundesverband aufführt, rechtfertigen eine Verschiebung des Einheitsbeitrags?
  3. Ist es überhaupt sinnvoll eine Mehrbelastung so hochzurechnen, wenn man bedenkt dass eine Krankenkasse wie die AOK Bayern mit 4 Millionen Mitgliedern schon einen Haushalt von knapp 11 Milliarden Euro hat?
  4. Oder ist es für euch eine Pressemitteilung á la: “Jeden Tag eine andere Sau durchs Dorf treiben”? Oder hat sie euch wirklich was gebracht?
Redaktion Gesundheitswesen Magazin

Kommentare

5 Kommentare zu “Müssen die BKK Versicherten wirklich mit dem Einheitsbeitrag so tief in die Tasche greifen?”
  1. RevengeofPKV sagt:

    Hallo,

    ich denke damit ist die durchschnittliche Mehrbelastung der Versicherten der Betriebskrankenkassen gemeint.

    Ob die Zahlen stimmen, weiß natürlich mal wieder kein Mensch, aber das ist ja so üblich, wenn man politisch Meinung (= Stimmung) machen will.

    Sagen soll die Pressemitteilung des BKK Bundesverbands wohl folgendes: Wenn der neue Einheitsbeitragssatz kommt, dann wird es für die meisten Versicherten der Betriebskrankenkassen teurer. Das Problem ist nur, dass die Unterschiede im derzeitigen Beitragssatz bei den Betriebskrankenkassen groß sind. Nicht unbedingt alle haben einen Beitragssatz, der unter 15,5% liegt. Das ist das grundsätzliche Dilemma, das der BKK Bundesverband hat: Er muss einheitlich für völlig unterschiedliche Betriebskrankenkassen sprechen.

    Die Einführung des Gesundheitsfonds mit der Festlegung eines einheitlichen Beitragssatzes ist von der Politik gewollt, die somit auch die Konsequenzen dafür tragen muss. Daraus kann man nicht die Forderung nach Verschiebung ableiten. Eher schon aus der methodisch fragwürdigen neuen Geldumverteilungsmaschinerie mit dem schönen Namen “morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich”, die mit dem Gesundheitsfonds gemeinsam zum 1.1.2009 kommen sollen. Da müsste der BKK Bundesverband eigentlich mit seiner Argumentation einsetzen, aber erkläre mal einer so ein bürokratisches Monster …

  2. steffen sagt:

    Danke RevengeofPKV für dein Kommentar.

    Soweit habe ich das auch verstanden mit der durchschnittlichen Mehrbelastung. Wie du auch sagst, sind die Beiträge ja von den BKK´s von ganz niedrig bis ganz hoch schwankend. Dann sollte man doch mindestens das Wort durschnittlich einfügen oder?

    Solange das nicht dort steht gehe ich bei der Beispielrechnung von dem niedrigsten Beitrag einer BKK aus. Warum? Weil ja anscheinand auch die Verbände mit den Zahlen spielen und keine wirkliche Aussage bringen und die Zahlen einen großen Spielraum für Eigeninterpretation bieten :roll7:

    Genau das Denke ich auch. Wenn jetzt eine Ableitung der Verschiebung über den Morbi RSA gekommen wäre, hätte ich eventuell noch Verständnis gezeigt.

    Bei mir kommt die Pressemitteilung so an: “Oh gott vielleicht steht dann der Teil unseres Verbandes, der niedrige Beiträge hat, mit seiner Werbung (mit den niedrigen Beiträgen) nichtmehr so effektiv da, weil noch keine Aussagen über Beitragsrückerstattungen getroffen werden können.” Und das akzeptiere ich persönlich nicht als Grund für eine Verschiebung. Oder soll das etwa ein Grund für eine Verschiebung sein?

  3. RevengeofPKV sagt:

    Genau so wird es sein.

    Man muss die Geschichte der Betriebskrankenkassen sehen. Nach der Einführung der erweiterten Kassenwahlrechte 1996 haben die wegen ihrer niedrigen Beitragssätze stark an Mitgliedern zugelegt. Wenn jetzt das Differenzierungskriterium “Beitragssatz” durch den Einheitsbeitragssatz wegfallen wird und im Augenblick niemand sicher vorhersagen kann, ob ab 2009 eine Prämie an die Versicherten ausgeschüttet werden kann, bricht die Grundlage des Geschäftsmodells weg. Man sieht es ja schon derzeit ein wenig kommen, die Betriebskrankenkassen legen nicht mehr an Mitgliedern zu, weil viele ihre Beitragssätze auch schon – zum Teil mehrfach – erhöhen mussten.

    Das neue Differenzierungskriterium im Wettbewerb zwischen den gesetzlichen Krankenkassen wird ab 1.1.2009 vermehrt das konkrete Leistungsangebot der Kassen werden. Um hier eine herausragende Stellung zu bekommen, braucht es Partner auf der Seite der Leistungserbringer (Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken usw.). Da haben die meisten Betriebskrankenkassen schlechte Karten, denn sie sind zu klein, als dass Leistungserbringer mit ihnen einen Vertrag über ein “besonderes” Leistungsangebot schließen würden. Hier müssten sich die Betriebskrankenkassen zusammenschließen, um Nachfrage zu bündeln. Dazu sind sie aber nicht bereit, eben weil sie sich strukturell zu stark unterscheiden. Ist wie bei den Dinosauriern: Nicht bereit zu Anpassung – das Ende ist dann aber auch schon bekannt …

  4. steffen sagt:

    Hi RevengeofPKV – den einen Teil deines Kommentars habe ich entfernt und unter dem Forum einen extra Beitrag aufgemacht. http://www.kvportal.de/bbpress.....grosen-bkk Ich habe es ins Forum Kassenintern gestellt, denn ich glaube die entgültigen Gründe kann am besten ein Krankenkassenmitarbeiter der Auto BKK liefern. Die können sich natürlich anonym dazu äußern. Wie oben beschrieben brauch es zum Forum keiner Anmeldung, sondern das ist freiwillig z. B. für das abonnieren eines Kommentarfeeds.

    Ich finde das auch mal interessant und werde auch gleich darauf antworten, aber es passt nichtmehr 100%ig zu dem Beitrag und ich finde es Bedarf schon einer eigenen Diskussion. Hoffe du stimmst mir dabei zu?

    Aber zurück zu deinem Kommentar. Ich stimme dir 100%ig zu. Das Hauptabgrenzungskriterium vieler kleiner BKK´s war und ist der Preis. Das wurde und wird auch oft in Werbematerialien herausgestellt. Umso höher dann die Beiträge wurden umso geringer dann auch die Werbung mit diesen “billigen Beiträgen” :giggle:

    Die Bkk´s die bis jetzt noch rel. billig sind haben Angst, das 2009 nichtmehr zu sein bzw. keine Beitragsrückerstattung anbieten zu können. Das finde ich soweit gesehen auch ok. Denn es ist ja ihr (Haupt)Abgrenzungskriterium zur Konkurrenz. Sowie zum Beispiel große Krankenkassen mit Ihrem Geschäftsstellennetz werben.

    Ich glaube, dass Krankenkassen die 80% aus einer Region haben zwar schon noch Chancen haben mit z.B.Apotheken vor Ort verträg zu machen, aber auf keinen Fall flächendeckend. Somit werden sie indirekt 20% langsam verlieren. Wie du gesagt hast, wenn sie es geschickt angehen machen sie Flächendeckende Verträge z. B. durch den Bundesverband. Aber wo ist dann das wirkliche Abgrenzungkriterium geblieben zwischen den BKK´s? ;)

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