USA
Phantom Apotheken zocken US-Gesundheitssystem ab

Phantom-Apotheke
„Phantom-Apotheken“ bescheren den US-Gesundheitsbehörden im Moment massive Probleme. Kennzeichnend für diese sind leere Regale wo eigentlich Medikamente stehen sollten, nicht vorhandene Mitarbeiter und Kunden. Dessen ungeachtet werden von diesen nicht existierenden Apotheken Arzneimittel abgerechnet und Beträge in Höhe von Millionen von US-Dollar jährlich dem staatlichen Versicherungssystem Medicare berechnet.
Das Vorgehen der Betrüger gestaltet sich meist annäherungsweise gleich: Fast immer werden Abrechnungsdaten von Einwanderern oder Senioren ergaunert, Geschäftsräume angemietet und Abrechnungen erstellt. Kommt die Fälschung der Anträge auf Erstattungen heraus, existieren die „Phantom-Apotheken“ nicht mehr und die Inhaber sind nicht auffindbar.
Eine gesetzliche Regelung, in der festgelegt ist, dass die Versicherung binnen 14 Tage online eingegangene Rechnungen tilgen muss ist fĂĽr die BetrĂĽger von Vorteil. Mit der Post versandte Abrechnungen haben eine Bearbeitungsfrist von 30 Tagen.
Senator Charles Grassley aus dem Bundesstaates Iowa teilt in einem Schreiben das an Kathleen Sebelius die US-Gesundheitsministerin gerichtet ist mit, dass im Jahre 2008 allein in Los Angeles und Miami acht „Phantom-Apotheken“ bekannt geworden sind.
245.000 Dollar hat ein Gauner in Miami innerhalb von knapp drei Monaten erwirtschaften können, bevor er sich nach Europa absetzte. Ein „Kollege“ von ihm gelang innerhalb von zwei Tagen ein Coup von 106.000 Dollar mit falschen Abrechnungen für HIV-Arzneimittel. Die Zahlungen wurden durch den Versicherer erst eingestellt, als ein Anwohner bestätigte, dass es unter dieser Adresse keine Apotheke gäbe. Über eineinhalb Jahre gelang es zwei Phantasie-Apotheken in Los Angeles mehrere Millionen Dollar abzurechnen. Aufgeflogen ist die Täuschung während einer Betriebsprüfung. Eine Insolvenzanmeldung folgte und der Versicherung war damit der Weg der Akteneinsicht oder die Aussicht auf Entschädigung verwehrt.
Schon vor über einem Jahr wandte sich die betroffene Versicherungsgesellschaft an das US-Gesundheitsministerium und die Ämter von Medicare. Bisher reagierten diese nicht darauf. Erst nach dem Brief des Senators, gab das Gesundheitsministerium bekannt, dass die Angelegenheit einer Prüfung unterzogen werden soll.
Bild: flickr / heartbeaz