Mittwoch, 23. Mai 2012 | Gesundheitswesen Magazin

Wirtschaft

21.06.2010 | 18:15 Uhr

Rauchverbot Ja oder Nein?

Totales Rauchverbot

Totales Rauchverbot

MĂĽnchen – Die Antiraucherfraktion erwartet einen Zweidrittel-Sieg ĂĽber die Raucherfraktion. Die bayrischen Festzelte qualmen. Kinder und Jugendliche sind automatisch gezwungen, den Rauch mit einzuatmen. Friedrich Wiebel, der Vorsitzende des Ă„rztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit, ist empört: „Es ist skandalös, dass Kinder und Jugendliche in Festzelten dem Tabakrauch ausgesetzt sind“. Wiebel verweist auf eine Umfrage in 30 Festzelten in Bayern. Dort wird sowohl in Bier- als auch in Sport- und SchĂĽtzenvereins-Zelten geraucht. „Die BĂĽrger haben keine Wahl, auch wenn die Gegenseite das immer behauptet.“ Das einzige rauchfreie Zelt ist die Kalbs-Kuchl (Oktoberfest).

Wiebel: „Kinder sind besonders empfindlich, gegen Tabakrauch. Das liegt daran, dass sie noch in der Entwicklung sind und außerdem pro Kilogramm Körpergewicht mehr Tabakrauch aufnehmen.“ Ein totales Rauchverbot würde auch die Kinder und Jugendlichen davor schützen, später selbst mit dem Rauchen anzufangen. So haben Studien ergeben, dass an Orten, wo striktes Rauchverbot herrsche, Jugendliche zu 40% weniger Raucher sind. In den bayrischen Festzelten sieht es aktuell anders aus. Wiebel warnt vor den Folgen für Kinder und Jugendliche. „Sie lernen in den Festzelten, dass das Rauchen dazu gehört zum Leberkäs und zum Bier.“, so Wiebel.
Messungen in den Festzelten ergaben eine Feinpartikelmenge, die rund 18-mal so hoch war wie der von der WHO empfohlene Grenzwert. Auch Ernst-Günther Krause, Vorsitzender der Nichtraucherinitiative München, stimmt zu. Er selbst hat ebenfalls Messungen vorgenommen. „Für mich ist es wirklich schwierig, überhaupt in einem Festzelt drinnen zu bleiben“, betont er. Vielen Bürgern geht es ähnlich, weiß er aus Gesprächen. Krause: „Es wird nicht viel verlangt von den Rauchern. Sondern nur, dass sie ein paar Meter ins Freie gehen.“ Seine Wahlprognose? „Zwei Drittel zu ein Drittel. Für ,Ja’.“

Ein neues Poster soll in den kommenden Tagen für noch mehr Aufmerksamkeit zum Thema in der Öffentlichkeit sorgen. Die Botschaft: „Kinder würden rauchfreie Zelte wählen“. Das auf dem Poster dargestellte Festzelt hat eine Grundschülerin gemalt.

Franz Bergmüller, Landesvorsitzender zum Erhalt der bayrischen Wirtshauskultur, hat nun so einigen Stress und stöhnt: „Es ist gut, wenn es vorbei ist“. Zwei Wochen sind es noch bis zur Abstimmung, Bergmüller und Gleichgesinnte wollen kein totales Rauchverbot. „Aber es war nie unsere Intention, dass überall geraucht werden kann, wir wollen nur, dass es so bleibt, wie es ist.“, betont er. Dabei rechnet er fest mit einem Sieg. „Es wird knapp, aber wir gewinnen“.

Auch die Raucherfraktion wirbt mit Plakaten, jedoch gegen ein totales Rauchverbot.

Bild: tommyS / pixelio.de

Redaktion Gesundheitswesen Magazin

Kommentare

1 Kommentar zu “Rauchverbot Ja oder Nein?”
  1. Paul Lenz sagt:

    Das Thema ist falsch: wir stimmen nicht ĂĽber Rauchverbote ab, sondern ĂĽber einen umfassenden oder lĂĽckenhaften Nichtraucherschutz. Die so genannten “Rauchverbote” – eigentlich Qualmerzeugungsverbote – sind nicht Kernpunkt der Abstimmung, sondern lediglich probates Mittel zum Zweck des Nichtraucherschutzes. Besonders verleumderisch ist es, diese Qualmerzeugungsverbote als Tabakkonsumverbote zu interpretieren, was leider allzu häufig geschieht. In Wirklichkeit wird jedoch nichts verboten; es wird lediglich festgelegt, wohin man sich zu begeben hat, wenn man rauchen will. Weiter ist nichts dabei, und deshalb entbehrt auch jedes Diskriminierungsgetue jeder Grundlage.

Teilen Sie Ihre Meinung