Bio Lebensmittel
Stiftung Warentest: in Bio-Lebensmitteln sind Pestizide nur äußerst selten enthalten
Sie mögen vielleicht nicht wesentlich besser schmecken, aber Bio-Lebensmittel haben durchaus Vorteile gegenüber konventionell hergestellten Lebensmitteln. Verbraucher, die Bio-Lebensmittel kaufen, wollen sich nicht nur gesünder und bewusster ernähren, sondern in der Regel auch einen positiven Einfluss auf unsere Umwelt nehmen.
Stiftung Warentest hat 85 Lebensmitteltest aus den letzten acht Jahren noch einmal unter die Lupe genommen und kommt zu dem Ergebnis, dass diese nicht grundsätzlich gesünder und leckerer sind als konventionell hergestellte Lebensmittel, jedoch unbestreitbare Vorteile bieten. Sowohl bei Bio-Lebensmitteln als auch bei konventionell hergestellten Lebensmitteln sind Produkte mit einem „Sehr gut“ oder einem „mangelhaft“ vertreten. Bei den Bio-Lebensmitteln werden Pestizide jedoch nur ganz selten und dann auch nur in sehr geringen Mengen entdeckt. Ein weiterer Vorteil bei Bio-Lebensmitteln besteht darin, dass deren Hersteller sehr viel mehr für die Umwelt tun und ihre soziale Verantwortung sehr ernst nehmen.
Bei den Bio-Produkten gewannen die Vollmilch- und Würzölprodukte. Babymenüs schnitten dagegen nur mangelhaft ab, weil sie zu wenig Fett und Vitamin C enthielten. Rapsöle waren zumeist in konventioneller Herstellung besser, da sieben von neun Bio-Rapsölen holzig, ranzig oder modrig rochen und schmeckten. Dafür konnten die Tester in fast keinem Bio-Produkt chemische Pflanzenschutzmittelrückstände entdecken. Zudem werden Bio-Kühe streng nach den geltenden Ökovorschriften mit viel Gras gefüttert. Biolachse aus ökologischen Aquakulturen werden ohne zusätzliche Farbstoffe verarbeitet. Nur zwei Sojadrinks waren fälschlicherweise als BIO-Produkt ausgewiesen.
Bio-Lebensmittel sind zum Teil bis zu 50% teurer als die konventionell hergestellten Lebensmittel. Dies ist jedoch längst nicht mehr bei allen Produkten der Fall. Die Tester von Stiftung Warentest bemerkten auch eine deutliche Qualitätsverbesserung in Sachen Sensorik und Keimbelastung. Ein aktueller Test zeigte eine deutlich geringere Keimbelastung von Räucherlachs als noch vor acht Jahren. Auch die Bio-Margarine hat deutlich an Geschmack gewonnen. Mit Rückständen belasteter Bio-Honig, der eine untypische Deklaration aufwies, wurde bei einem Test im Jahr 2009 ebenfalls nicht mehr gefunden. Nur die Qualität von Bio-Olivenölen schwankt immer noch recht häufig zwischen „gut“ und „mangelhaft“. Eine verbesserte Analytik bei den Tests brachte auch mehr Nachweiskraft, so dass Bio-Produkte wie Butter, Rapsöl oder Apfelsaft sogar schlechter abschnitten als noch vor wenigen Jahren.
75% der Produkte Bio-Obst, Bio-Gemüse und Bio-Tee sind seit 2002 komplett frei von Pestiziden. Dies erreichten nur 16% der konventionellen Obst-, Gemüse- und Tee-Produkten. Diese lagen jedoch zu 91% unter den gesetzlichen Höchstwerten für Pestizide. Ganz allgemein wurde eine sinkende Pestizid-Belastung festgestellt.
Die Behauptung der Bio-Hersteller, dass ihre Produkte mehr bioaktive Stoffe enthalten, wurde jedoch widerlegt. Diese Stoffe kommen jedoch in allen naturnah hergestellten Produkten, also auch in konventionellen, vor. Pflanzen schützen sich mit bioaktiven Stoffen vor schädlichen Umwelteinflüssen und sollen auch auf den Menschen gesundheitsfördernd wirken. Die bioaktiven Stoffe konnten jedoch in beiden Gruppen nicht in ausreichender, gesundheitsfördernder Menge nachgewiesen werden.
Da die Bio-Produkte sehr umweltschonend hergestellt werden, die Tiere artgerecht gehalten und ein fairer Handel unterstützt wird, schneiden sie bei ökologischen und sozialen Gesichtspunkten deutlich besser ab. So wird zum Beispiel der Mehrverdienst bei sechs von sieben Bio-Kaffees in der Tat an die Bauern und Kaffeepflücker abgegeben.
Bild: flickr / protohiro