Samstag, 18. Mai 2013 | Gesundheitswesen Magazin

AOK

31.03.2009 | 20:25 Uhr

Wegen Programm der BKK Mobil Oil ärger mit dem Hausarzt

Die Frage in diesem Artikel ist nicht, ob der Protest der Ärzte, welcher zurzeit stattfinden, angebracht ist oder nicht, sondern wie ein Arzt protestieren soll.

Vorgeschichte: Bonusprogramm der BKK Mobil Oil

Eine Familie hat an dem Bonusprogramm der BKK Mobil Oil teilgenommen, welches 150-160 Euro im Jahr erstattet. Die Ärzte in Bayern tendieren zurzeit zur AOK Bayern, weil diese ihnen mehr Geld geben will. Alle anderen Krankenkassen, so auch die BKK Mobil Oil, wollen das nicht. 

Jetzt ging es darum, dass die Familie eine Bestätigung inkl. Untersuchung von ihrem Hausarzt wollte, dass sie nicht an Übergewicht leiden. Dies benötigten sie für das Bonusprogramm (die 150-160€) der BKK Mobil Oil.

Der Arzt hat das ganze abgelehnt, weil er zurzeit gegen Mehrarbeit und gegen die schlechtere Bezahlung “protestiert”. Dafür gab es aber einen Flyer für die Krankenkasse der Protestbewegung GOIN. 

Die Frau fand das natürlich so unverschämt, dass sie sich gleich bei der Kassenärztlichen Vereinigung beschwert hat. 

Zitat: … auf einem vorbereiteten Formblatt mit Stempel und Unterschrift nachträglich zu bestätigen – Zeitaufwand geschätzte zehn Sekunden – in derart unverschämter Art und Weise abzulehnen und damit dem Patienten de facto finanziell zu schaden frei nach dem Motto, wenn die Hausärzte nicht mehr Geld bekommen, sollen die Patienten auch keine Vergünstigungen haben, halte ich für ein derart unethisches Vorgehen, dass nach immerhin rund zehn Jahren Praxistreue dieser Hausarzt für uns indiskutabel geworden ist.

Hier die ganze Geschichte.

Erwähnenswert ist auch der Leserbrief eines Allgemeinmediziners. Dieser weißt auf etwas interessantes hin. 

Zitat: Der Bkk-Mobil-0il ist die hausärztliche Versorgung eines erkrankten Versicherten gerade mal 13,30 Euro im Monat wert. Die selbe Krankenkasse bietet ihren gesunden Versicherten – als Werbemaßnahme – 150 bis 160 Euro im Jahr für das Sammeln von Bonuspunkten.

Da behandelt ein Arzt vielleicht Notfälle, aber sagt zu einer Mehrarbeit wie das Unterzeichnen und ausfüllen von Bonusheftchen: “Nein”.

Ich hätte die Person in dem Interview gerne gefragt, wie ein Arzt sonst protestieren soll?

Wie soll er sonst auf Mißstände (begründet oder unbegründet) die Aufmerksamkeit lenken? 

Denn aus meiner Sicht ist es diese Reaktion total übertrieben. Für so einen blöden Zettel so ein “dralala” zu machen finde ich wirklich unangebracht. Menschliche Reaktion in diesem Fall, gerade wenn ich diesen Arzt schon sehr lange kenne (siehe ganze Geschichte oben), ist doch, dass ich Verständnis zeige. Ich sage ok, dann warte ich halt noch 2-3 Wochen. Dann schauen wir was aus dieser Aktion geworden ist.

Eine Beschwerde in die Wege zu leiten und einen Arzt (auch Namentlich) wegen sowas blöden Bloß zu stellen ist unfair. Vielleicht hat dieser Arzt jeden Tag Überstunden gemacht und ist jetzt an einem Punkt wo er nunmal einen kleinen Protest anführen muss. Denn mehr als ein kleiner Protest ist die Aktion wirklich nicht.

 Wenn die Frau von “unethisches Vorgehen” des Arztes spricht, dann finde ich das anprangern eines Arztes wegen der nicht vorgenommenen Untersuchung und dem entsprechenden Nichtausfüllen, asozial.

Vielleicht hat die Person auch vergessen, dass ein Arzt diesen Zettel nicht einfach unterschreiben darf. Denn ob jemand übergewicht hat, ist nicht erkenntlich. Es muss auch gewogen werden? Also ist es nicht nur ein Stempel und eine Unterschrift. Sonst würde der Arzt einen Betrug an der Krankenkasse unterstützten. 

Soweit ich weiß, muss für Übergewicht die Größe gemessen werden und das Gewicht bestimmt werden. Tja. 2 Schritte. Wenn ich davon 1-2 Patienten am Tag habe, dann würde mich das als Selbständigen auch aufregen. Immerhin bekomme ich das ganze nicht vergütet.

Fazit: Manchmal ist es menschlich ein bißchen Verständnis zu zeigen.

Redaktion Gesundheitswesen Magazin

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